Joseph ist mal wieder Gast in unserem Hause
Am 21. Februar hatten wir Joseph zum Abendessen eingeladen.
Er ist zwar unser häufigster Hausgast, da er fast jeden Tag einen Grund findet, uns einen Besuch abzustatten, aber wir freuen uns immer ihn zu sehen. :)
Er ist fest entschlossen uns zum Flughafen zu bringen und fragt oft, wann wir ihn wieder besuchen und an manchen Tagen ist er schon sehr traurig, wenn er daran denkt, dass wir bald wieder nach Deutschland gehen werden. Wenn er genug Geld hat, möchte er uns mal über Weihnachten im Schnee besuchen kommen! :-) Wir sind gespannt.
Dank Isa und Christian, bei denen wir die geniale Idee eines Freunde-Buches abgeschaut haben, lassen wir nun all unsere ugandischen Freunde in unser Erinnerungs-Buch etwas über sie hinein schreiben. Zudem machen wir ein Foto mit ihnen, welches wir dann später dazu kleben.
Joseph ist einer unserer ganz coolen Freunde. Er kommt aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas und liebt Mode. Über seinen Kleidungsstiel kamen wir schon das ein oder andere mal ins Schmunzeln, aber wir haben ihn wirklich sehr gern. Er ist super zuverlässig und hat uns viel über seine Kultur erklärt und näher gebracht. Er gehört zu den Ugandern, die viel weitsichtiger und gebildeter sind als viele Afrikaner. Er sieht viele Aspekte seiner Kultur kritisch. Mit ihm kann man sich super unterhalten und lachen.
Zitat Joseph: Ich liebe Mode! - unsere Meinung zu seinem Kleidungsstiel habt ihr gehört. Überzeugt euch selbst, obs stimmt.
Ja, seine Sonnenbrille mag er sehr gerne. Darum muss man ihn bei Regen oder Dämmerung manchmal daran erinnern, dass es bewölkt und dunkel ist! :-)
(links ist David und rechts mit Sonnenbrille und schönem Hemd seht ihr Joseph)
Eine andere Besonderheit an Joseph. Er kann so viel Chilli auf einer einzigen Portion Essen vertilgen, wie wir in einem Vierteljahr!
Am 21.02.09 hatten wir viel zu viel gekocht, sodass wir gar nicht wussten, wohin mit dem ganzen Essen. Spontan entschieden wir uns dazu, dass Joseph den nächsten Tag doch nochmal zu Besuch kommen kann, um mit uns die zweite Hälfte des Essens zu verspeisen. Er hat sich sehr gefreut, da ihm unsere deutsche Kochkunst sehr gut schmeckt.
Als er den Abend darauf wieder zu uns kam, hat Steffi ihm gesagt, dass sie es sehr bewundernd findet, dass er in unser Buch schrieb, dass es er es liebt sich um Kranke zu kümmern.
Daraufhin erzählte er uns einiges aus seiner Kindheit.
Er hat ziemlich viele Geschwister und als er so um die 10 Jahre alt war, hatten sie sehr wenig Geld und die ganze Familie war jeden Tag sehr beschäftigt irgendwie etwas Geld zu verdienen. Zu dieser Zeit bekam Joseph hohes und immer wiederkehrendes Fieber, sodass er wusste, dass er Malaria hat. Er wusste, dass er daran sterben kann, doch da kein Geld für einen Krankenhaus-Besuch vorhanden war, hat er sich tagelang versteckt und gehofft, dass niemand merkt, wie krank er ist. Nach einigen Tagen war er so schwach, dass er auf seinem Weg vom Bett zum Bad ohnmächtig wurde. Sein Bruder hat ihn gefunden und ihn ins Krankenhaus gebracht, in dem er einige Stunden später wieder zu sich kam. Zu seiner Verwirrung war niemand bei ihm und er hat lange gebraucht, bis er gemerkt hat,dass er im Krankenhaus liegt. Das war eine, seiner schlimmen Erlebnisse.
Als Steffi zu ihm sagte, dass er total Glück hatte, dass er nicht gestorben ist, meinte er zu uns, dass er eigentlich schon ziemlich oft hätte sterben können.
Ebenfalls in seiner Grundschulzeit wurde er sehr krank und die Ärzte konnten keine Krankheit feststellen. Sie probierten ein Antibiotikum nach dem anderen aus – ein halbes Jahr lang! Joseph war ein halbes Jahr an sein Bett gefesselt und hat so stark abgenommen, dass er und alle anderen sicher waren, dass er jeden Moment sterben dürfe. Doch durch ein Wunder ging es ihm nach 6 Monaten besser und besser, bis die Krankheit komplett wegging. Doch er war so abgemagert, dass er ein weiteres halbes Jahr das Haus nicht verlassen hat und nicht in die Schule ging, da er so schlimm aussah.
Danach zeigte er uns eine Narbe am Knöchel. Steffi fragte, wie das passiert sei und bekam die nächste seiner vielen, fast tödlich endeten Geschichten erzählt.
Er war mit dem Bus unterwegs, als dieser von der Straße abkam, sich mehrmals überschlug und den Berg herunter fiel. Hier ist der Straßenverkehr sehr gefährlich. Durch den Sand/Lehm kommt man schnell ins rutschen, es gibt keine Leitplanken und zudem verlaufen die Straßen oft neben einem Felsen und direkt neben dem Abhang nach unten. Da bekommt man durchaus ein mulmiges Gefühl im Auto. Wir schauten Joseph geschockt an und dachten, er hätte sich alle Knochen gebrochen etc. Er sagte uns, er hätte tot sein müssen, aber trotz der vielen Überschläge, kletterte er aus dem Bus und hatte nur eine Wunde am Knöchel. Das war alles.
Joseph erzählte uns mit einem breiten Lächeln, dass Gott mit seinem Leben einen Plan haben muss und er gewiss nicht umsonst auf der Erde ist, sonst hätte er ihn nicht schon einige Male am Leben erhalten, wo er normalerweise gestorben wäre. Joseph steckt voller Lebensfreude und sieht oft das Schöne. Er hat eine super Lebenseinstellung und wartet nun gespannt auf seinen Auftrag, hier auf der Erde.
Zudem ist er der Käufer unseres Laptops, den er auch immer fleißig benutzt. Ein Grund mehr uns zu besuchen! ;-)

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